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Schnittstellen zwischen Gewerken

Zusammenarbeit am Bau

Damit am Ende des energetischen Bau- oder Sanierungsprozesses ein hochwertiges Ergebnis entsteht, müssen alle Baubeteiligten Hand in Hand arbeiten. Kommunikation, Koordination und das Bedenken nachfolgender Arbeiten anderer Fachleute sind dabei wichtige Elemente. 

Im Folgenden zeigen wir Ihnen einige Beispiele für die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit auf.

Fenstereinbau/-tausch

Beteiligte Gewerke:

  • Fensterbauer
  • Sonnenschutzmechatroniker
  • Stuckateure, Fassadenbauer, Maler
  • Maurer, Steinmetz, Blechner, Tischler
  • Architekten, Planer und Sachverständige

Empfohlene Reihenfolge der Gewerke:

  • Fenstereinbau durch Fensterbauer nach Dachabdichtung
  • Sonnenschutzmechatroniker montiert bei Bedarf Sonnenschutzvorrichtungen, Maurer
  • Steinmetz, Blechner, Tischler bringen die Fensterbank an
  • Verputzer, Maler übernehmen Außenputz und Außenanstrich

Auswirkungen auf andere Gewerke:

  • Einbau von Fenstern häufig vor die Fassade bzw. in das WDVS
  • Anbringung der Außendämmung unter Berücksichtigung der Funktionstüchtigkeit des Fensters
  • Außenseitige Überdämmung des Fensterrahmens ist erforderlich, um Wärmebrücken zu vermeiden
  • Einbau der Rollladenkästen in die Fassade

Häufig auftretende Probleme:

  • Entstehung von zusätzlichen Wärmebrücken durch:
    • Fehlerhaften Einbau der Fenster in die Fassade
    • Mangelhafte Dämmung von Fensterbrettern, Fenstersimsen und Rollladenkästen
  • Luftundichtigkeiten durch:
    • fehlende oder mangelhafte Abdichtungen des Fensteranschlusses in den 3 Montageebenen "innen", "mitte" und "außen"
    • fehlende Abdichtung in Rollladenkästen
  • Eindringen von Feuchtigkeit durch:
    • fehlende oder mangelhafte Abdichtungen des Fensteranschlusses in den 3 Montageebenen "innen", "mitte" und "außen"
    • Montage der Fensterbretter ohne Gefälle
    • kein Schlagregenschutz bei Anschlusspunkten von Fenstern und Türen sowie bei Durchdringungen, ungeeignetes Dichtband / Leisten

Installation einer Fußbodenheizung

Beteiligte Gewerke:

  • Heizungsbauer
  • Estrichleger
  • Fußbodenleger
  • Architekten, Planer und Sachverständige

Empfohlene Reihenfolge der Gewerke:

  • Architekt - Planung/Ausschreibung
  • Heizungsbauer - Verlegen der Heizrohre und der Wärmedämmung auf Rohfußboden
  • Estrichleger - Einbringen des Estrichs, Fugen
  • Fußbodenleger - Oberbelag aufbringen

Auswirkungen auf andere Gewerke:

  • Verlegeabstand und Heizkreislauflänge müssen an das Temperaturniveau des Wärmeerzeugers angepasst sein
  • Auswahl eines Estrichs und dessen Verlegung zu einem Zeitpunkt, bei dem Temperaturveränderungen nicht zu Schäden führen
  • Auswahl geeigneter Fußbodenmaterialien bzgl. Qualität und Dicke, sodass die Heizlast des Raumes durch Fußbodenheizung gedeckt werden kann
  • Aufschlagen des Estrichs über der nachzubessernden Fußbodenheizung führt zu Bauverzögerungen, betroffene Gewerke sind z. B. Elektriker, Fußbodenleger

Häufig auftretende Probleme:

  • Wärmeverluste
    • Beschädigung der Dämmschicht durch Befestigungen der Flächenheizung
    • Ungeeigneter Belag für die Fußbodenheizung
    • Fußbodenheizung unter befestigten Einbauten (Badewannen, Kaminen etc.)
    • Schäden am Estrich durch Temperaturänderungen
  • Unbehaglichkeit
    • Raumtemperaturen werden nicht erreicht, da Verlegeabstände und Heizkreislängen nicht an Wärmebereitsteller/Wärmebedarf angepasst sind
  • Schallbrücken
    • Zu geringe Höhe der Randdämmstreifen an Wänden, Türzagen oder Schächten
  • Sonstiges
    • Risse in der Fußbodenkonstruktion infolge Absenkungen der Fußbodenkonstruktion/Estrich
    • Verformungen, Estrichwölbungen durch Lasten, Beläge, thermische Einflüsse
    • Mangelnde Fixierung der Rohre
    • Zu frühes Belegen eines noch nicht vollständig ausgetrockneten Estrichs
    • Überlasten und damit Beschädigen des Estrichs beim Trockenheizen

Austausch der Heizungsanlage

Beteiligte Gewerke:

  • Heizungstechniker
  • Gas-Wasser-Installateur
  • Planer und Sachverständige
  • Trockenbauer
  • Maler

Empfohlene Reihenfolge der Gewerke:

  • Planer und Sachverständige – Dimensionierung der Heizungsanlage
  • Heizungsbauer – Aus- und Einbau der alten und neuen Heizungsanlage, Verlegen der Heizungsrohre Anschluss der Heizkörper
  • Trockenbauer, Maler – Schließen von entstandenen Öffnungen, Innenanstrich

Auswirkungen auf andere Gewerke:

  • Fußbodenleger, Fensterbauer und Möbelbauer müssen die Abstände zu den Heizkörpern beachten und Materialwahl sowie -dicke und Position einhalten
  • Trockenbauer und Maler dürfen ihre Arbeiten erst abschließen, wenn die Heizungsrohre hinter Trockenwänden entsprechend gedämmt sind

Häufig auftretende Probleme:

  • Falsche Dimensionierung von Rohrleitungen, Pumpen und Heizanlagen
    • Zu hohe Heizlast führt zu schlechten Wirkungsgraden und teureren Heizungen
    • Zu kleine Heizkörper können Heizwärmebedarf des Raumes nicht decken oder die Temperaturpaarung muss angepasst werden, was zu höheren Wärmeverlusten im Heizungsnetz führt und zu einem ineffizient arbeitenden Wärmeerzeuger
    • Stromverluste durch Überdimensionierung der Heizungsumwälzpumpe oder durch zu kleine Leitungen.
    • Falscher oder fehlender hydraulischer Abgleich
  • Abstände beachten
    • Zu geringe Abstände von Heizkörpern zu Außenwand, Boden oder/und Fensterbrett führen zur Beeinträchtigung der natürlichen Konvektion, wodurch der Heizwärmebedarf nicht erfüllt werden kann
  • Dämmung der Komponenten
    • Fehlende oder mangelhaft ausgeführte Heizungsrohrdämmung führt zu Heizwärmeverlusten

Anschluss Außenwand an Bodenplatte

Beteiligte Gewerke:

  • Betonbauer
  • Maurer, Verputzer
  • Maler

Empfohlene Reihenfolge der Gewerke:

  • Betonbauer – Drainage und Gießen, Abdichtung Dämmung der Bodenplatte
  • Maurer/Trockenbauer – Erstellen und Abdichten der Außenwände
  • Maler, Maurer – Dämmung der Außenwände

Auswirkungen auf andere Gewerke:

  • Abnahme/Prüfen von: lotgerechtem Arbeiten, korrekten Längen, Winkeln und Höhen, Wandstärken, Fenster-, Türöffnungen, korrekter Verzahnung der Zwischenwände, Lichtschächte mit durchgängiger Dämmung, Abdichtung Rohrdurchführungen

Häufig auftretende Probleme:

  • Fehlende Dämmschicht am Übergang
  • Unsachgemäße Ausführung der Abdichtung gegen Feuchte aus dem Untergrund
  • Unsachgerechter Einbau von Rohrdurchführungen für Ver- und Entsorgungsleitungen

Außenwanddämmung (WDVS)

Beteiligte Gewerke:

  • Maler
  • Stuckateure
  • Maurer
  • Trockenbauer
  • Architekten, Planer und Sachverständige
  • Dachdecker
  • Elektroinstallateur

Empfohlene Reihenfolge der Gewerke:

  • Architekten, Planer und Sachverständige - Planung, Abstimmung Dämmsystem
  • Maurer – Außenwand mauern
  • Maler, Stuckateur – WDVS vorbereiten, aufbringen

Auswirkungen auf andere Gewerke:

  • Einbau von Befestigungen in das Mauerwerk vor Anbringen des WDVS bzw. Auswahl stabiler WDVSs zur nachträglichen Befestigung im WDVS
  • Befestigung von Lampen
  • Befestigung von Sonnenschutzvorrichtungen
  • Befestigung von Absturzsicherungen vor bodentiefen Fensterelementen
  • Befestigung von Fallrohren (Regenablauf)
  • Planung der Reihenfolge der Arbeiten, von Ein- und Anbauten, Fallrohren, Dachanschluss

Häufig auftretende Probleme:

  • Untergrund nicht tragfähig, nicht gereinigt, keine Haftbrücke
  • Verwendung von ungeeignetem Dämmstoff (Feuchteverhalten) und ungeeignetem Kleber, kein wasserabweisender Armierungsputz
  • Dämmstoffplatten nicht im Verband verlegt, Dämmstoffplatten mit klaffender Fuge verlegt, größere Fugen zwischen den Dämmplatten nicht ausgeschäumt, Verwendung des falschen Fugenschaumes
  • Fehlender Brandriegel/Sturzschutz
  • Klebeflächenanteil zu gering, Kleber in den Fugen (Wärmebrücke)
  • Keine Berücksichtigung des thermischen Verhaltens an Übergängen (Dehnungen)
  • Mangelhafte Ausführung der Befestigung der Dämmplatten (zu kurze, zu wenige oder falsche Dübel); abzeichnen der Dübelteller an der Fassadenoberfläche -> Ursache zumeist durch Dübel entstehende Wärmebrücke die sich nach Bewitterung abzeichnet (z. B. Dübelteller nicht versenkt nicht abgedeckt)
  • Schichtdicke des Unterputzes zu gering, Glasfasergewebe nicht genügend eingebettet (zu scharf abgezogen, sollte im oberen Drittel des Putzes liegen)
  • Keine Gebäudeeckprofile montiert, Glasfasergewebe lappt nicht genügend über (mind. 10 cm)
  • Zu lange Trocknungszeiten (alle Arbeitsschritte der Armierung sollten abschnittsweise nass in nass erfolgen)
  • Aufbringen eines WDVS auf feuchte Außenwand, sodass diese nur noch nach innen abtrocknen kann
  • Verwendung von nicht aufeinander abgestimmten Komponenten (kein zugelassenes WDVS-System)

Dachdämmung

Beteiligte Gewerke:

  • Zimmerer
  • Trockenbauer
  • Dachdecker

Auswirkungen auf andere Gewerke:

  • Zeitgleiche Verlegung von Elektrik-, Heizungs- und Lüftungsleitungen
  • Vermeidung der Verlegung von Leitungen in der Dämmebene
  • Vermeidung von Durchdringungen der luftdichten Ebene

Häufig auftretende Probleme:

  • Luftundichtigkeiten
    • Mangelhafte Ausführung der luftdichten Ebene
    • Nachträgliche Beschädigung der luftdichten Ebene durch andere Gewerke
  • Wärmebrücken
    • Mangelhafte Ausführung der Dämmschicht
    • Verringerung der Dämmschichtdicke durch nachträgliche Verlegung von Elektro- und Sanitärleitungen in der Dämmebene
  • Feuchtigkeitseintritt
    • Mangelhafte Ausführung bzw. Zerstörung der Dampfschicht

Häufige Fehler bei Flachdachsanierungen:

  • Unzureichende Bestandsaufnahme der Dachflächen: fehlende Kenntnis über den Aufbau und den Zustand des vorhandenen Dachschichtenpaketes und der Unterkonstruktion
  • Mangelhafte Detailplanung beim Aufbringen von Zusatzdämmung: Anpassung von Anschlusshöhen, Dachrandaufstockung, Erhöhung von Dacheinbauten, Entwässerung und Notentwässerung, Wärmebrücken
  • Vollflächige Verklebung von Sanierungsbahnen ohne Möglichkeit zum Bewegungs- und Dampfdruckausgleich (z. B. Auf­bringen einer Lage Bitumenschweißbahn)
  • Fehlende Prüfung der Lagesicherheit des alten Dachschichtenpaketes bei Aufbringen von verklebten Abdichtungssystemen (z. B. Mängel an der Verklebung, unerkannte Sturmschäden, Materialermüdung); allerdings ist die Lagesicherheit des Sanierungsaufbaus vollständig abhängig von der Lagesicherheit des alten Flachdachaufbaus, sollte keine zusätzliche mechanische Befestigung oder Auflast angebracht werden
  • Nichtberücksichtigung von Materialunverträglichkeiten zwischen Alt- und Sanierungsaufbau (wichtig u.a. bei der Verwendung von PVC-Dichtungsbahnen aufgrund von Weichmachern sowie bei der Nutzung von Bitumen), fehlende Trennlagen, Auswahl ungeeigne­ter Materialien
  • Ungeeignete Abdichtungssysteme bzw. unzureichende Dachabdichtungen bei Standwasser auf der Dachfläche
  • Kapillares Unterwandern verklebter Nähte, Nahtablösungen

Exkurs: Sensibilisierung für das Thema

Unter Federführung des Zentralverbands des deutschen Handwerks hat die dena mit mehreren anderen Partnern ein gewerkeübergreifendes Weiterbildungsseminar für Handwerker zum energetischen Bauen und Sanieren entwickelt. Das modulartig aufgebaute Seminar stellt die Themen Haus als System und Zusammenarbeit der Gewerke an den Schnittstellen in den Mittelpunkt. Außerdem wurde ein Seminar für Ausbilder inklusive E-Learning-Modul erarbeitet, das die Themen ebenfalls vermittelt. Hier finden Sie das E-Learning-Modul.

Hier können Sie die kostenfreien Seminarunterlagen herunterladen, um das Seminar selber anzubieten. Weitere Infos zu dem Projekt.