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Energiebedarfsausweis


Was ist ein Bedarfsausweis?

Der Bedarfsausweis entsteht auf Grundlage einer technischen Analyse der Bausubstanz und der Heizungsanlage eines Gebäudes und ist unabhängig vom individuellen Nutzerverhalten. Die Farbverlaufsskala im Bedarfsausweis weist zwei verschiedene Werte aus, die sehr unterschiedlich ausfallen können – einen Wert für den Endenergiebedarf und einen für den Primärenergiebedarf.

Der Endenergiebedarf gibt die nach technischen Regeln berechnete, vom konkreten Gebäude jährlich benötigte Energiemenge für Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung an, bei Nichtwohngebäuden auch von eingebauter Beleuchtung und Kühlung. Am Endenergiebedarf sollten sich Verbraucher orientieren, wenn sie ihren künftigen Energieverbrauch und die Energiekosten abschätzen wollen.

Der Primärenergiebedarf bildet die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes ab. Er berücksichtigt neben der Endenergie auch die so genannte „Vorkette“ (Erkundung, Gewinnung, Verteilung, Umwandlung) der jeweils eingesetzten Energieträger (z.B. Heizöl, Gas, Strom, erneuerbare Energien). Der Primärenergiebedarf fällt dann besonders niedrig aus, wenn Erneuerbare Energien (Solare Strahlungsenergie, Geothermie, Energie aus Biomasse) für die Energieversorgung im Gebäude eingesetzt werden. Am Primärenergiebedarf können Verbraucher erkennen, wie umweltfreundlich ihr Gebäude ist.

Die dena empfiehlt bei Wohngebäuden generell den Bedarfsausweis. Er erlaubt eine nutzerunabhängige Bewertung des Gebäudes. Bei der Erstellung eines Bedarfsausweises können die Modernisierungsempfehlungen auf der Basis einer technischen Analyse des Gebäudes ermittelt werde

Kann man immer zwischen der Ausstellung eines Verbrauchs- oder Bedarfsausweises wählen?

Nach §17 Absatz 1 der EnEV 2014 besteht immer Wahlfreiheit bei der Ausstellung eines Bedarfs- oder Verbrauchsausweises, mit einer Ausnahme:

Für bestehende Wohngebäude, die

- weniger als 5 Wohnungen haben und
- für die der Bauantrag vor dem 1.11.1977 gestellt wurde und
- die nicht das Anforderungsniveau der Wärmeschutzverordnung 1977 (WSchV 77) einhalten, müssen Bedarfsausweise ausgestellt werden.

In der aktuellen Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand sind Regelungen zur Beurteilung aufgeführt.

LINK: www.dena-expertenservice.de/fachinfos/enev-normen-gesetze/enev-2014/

Wenn für ein Bestandsgebäude keine oder nicht in ausreichendem Verbrauchsdaten vorliegen, die nach den Vorgaben der EnEV §19 genügen, ist ebenfalls ein Bedarfsausweise auszustellen.

Bauteilkennwerte: Nur real oder auch vereinfacht?

Oft lassen sich für die Bilanzierung von Gebäuden einige Bauteilkennwerte exakt ermitteln, einige jedoch auch nicht. Ist es zulässig, neben den realen Kennwerten die Vereinfachungen zu verwenden?

In § 9 Abs. 2 lässt die EnEV zu, dass bei bestehenden Gebäuden ein vereinfachtes Aufmaß erstellt wird und gesicherte Erfahrungswerte für baujahrstypische Bauteile und Anlagenkomponenten angewendet werden dürfen. Im Sinne einer praktischen Umsetzung der Verordnung gilt dies für alle oder auch für Anteile der Maße und Kennwerte. Sind einige Maße und Kennwerte bekannt, sollen sie Grundlage für die Berechnung sein. Nur die unbekannten Werte dürfen durch die Vereinfachungen ersetzt werden. Je mehr echte Werte, desto genauer das Ergebnis.


Die gesicherten Erfahrungswerte für baujahrstypische Bauteile und Anlagenkomponeten sind in den "Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand" vom 7.4. 2015 enthalten.

Ist die Angabe der CO2-Emissionen im Energieausweisformular freiwillig?

Ist die Angabe der CO2-Emissionen im Energieausweisformular freiwillig und auf welcher Berechnungsgrundlage werden die CO2-Emissionen auf Seite 2 des Energieausweises und in den Modernisierungsempfehlungen berechnet?

Im Muster des Energieausweises ist im Fall des Bedarfsausweises auf Seite 2 die freiwillige Angabe der CO2-Emissionen vorgesehen. Die Angabe ist bei allen Gebäudearten grundsätzlich freiwillig, es sei denn, eine Kommune oder Region schreibt etwas anderes vor. Es ist u.a. denkbar, dass eine Kommune im Rahmen eines regionalen Förderprogramms die Angabe der CO2-Emisionen einfordert. Ein Eigentümer kann zudem auf eigenen Wunsch mit dem Energieausweis-Aussteller vereinbaren, dass die CO2-Emissionen im Formular aufgeführt werden. 
Die Berechnung erfolgt aus dem Energieträger in g/kWh und anhand des Endenergieverbrauchs für Heizung und Warmwasser bei Wohngebäuden, bei Nichtwohngebäuden für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung, Lüftung und Kühlung. Für die Berechnung gibt es keine zwingend zu verwendende Datenquelle. Jedoch liefern z.B. das Umweltbundesamt oder das Programm GEMIS Werte für die CO2-Emissionen.

Wohneinheiten ohne Heizung

Wie wird eine Heizungsanlage bei der Bilanzierung angesetzt, wenn einige leerstehende Wohnungen keine Beheizung haben?

Gebäude, die zur Sanierung sowie zum anschließenden Verkauf anstehen, verfügen häufiger über Gebäudeteile ohne Heizungsanlage, z.B. aufgrund des Ausbaus von Einzelöfen. Einen Energieausweis für diese Gebäude auszustellen, ist schwierig. Die EnEV behandelt das Thema nicht, der Gesetzgeber gibt somit keine eindeutige Vorgehensweise vor. Der Aussteller ist daher verpflichtet, mit seiner Fachkenntnis eine Lösung zu erarbeiten und diese mit dem Eigentümer = Auftraggeber zu vereinbaren, am besten schriftlich.

Folgende Herangehensweisen wären möglich:

  1. Der Aussteller könnte z.B. anbieten, zunächst den Ausweis anhand der projektierten Daten auszustellen und nach Inbetriebnahme der tatsächlichen Beheizung den "richtigen" Energieausweis gegen geringen Aufpreis nachzuliefern.
  2. Eine weitere mögliche Herangehensweise könnte sein, sich zu überlegen, wie das Gebäude in Zukunft möglicherweise beheizt wird. Bei reinen Wohngebäuden kann man davon ausgehen, dass alle Wohneinheiten wieder vermietet oder verkauft werden sollen. In diesem Fall muss der Energieausweis vorliegen und die Beheizung des gesamten Gebäudes wiedergeben. 
  3. Möglicherweise gibt es bereits einen Kaufinteressenten. Dann könnte man Vorstellungen des Käufers über die Art der Beheizung bei der Erstellung des Energieausweises einbeziehen.

Regelungen für Wohngebäude mit Schwimmbad

Im Keller oder in einem Seitenflügel eines Wohngebäudes befindet sich ein Schwimmbad, das allen Mietern zur Verfügung steht. Wie wird ein Energieausweis erstellt?

Nach EnEV sind private Schwimmbäder in Wohngebäuden auch als Wohnnutzung anzusehen. Dabei sind die Räume des Schwimmbades im Gebäudeaufmaß mit zu berücksichtigen. Nur das Schwimmbecken selbst kann beim Gebäudeaufmaß unberücksichtigt bleiben und die Beckenoberfläche wird als eine Bauteilfläche gegen beheizten Raum bewertet.

Für den Warmwasserbedarf des Gebäudes (inkl. Schwimmbad) gelten die EnEV-Randbedingungen für Wohngebäude. Bei Berechnung nach DIN V 4108-6/4701-10 werden für den Warmwasserbedarf 12,5 kWh/(m²a) bzw. bei Berechnung nach DIN V 18599 für EFH 11 kWh/(m²a) oder für MFH 15 kWh/(m²a) angesetzt.

Die zur Erwärmung des Schwimmbeckenwassers aufgewendete Energie ist nach §1 Absatz 2 Satz 2 der EnEV nicht in der Bilanzierung zu berücksichtigen.

Sind Ferienwohnungen von der EnEV befreit?

Es ist zutreffend, dass laut EnEV § 1 (2) Nr. 8 die EnEV nicht für Wohngebäude gilt, die für eine Nutzungsdauer von weniger als vier Monaten jährlich bestimmt sind. Aus der Begründung geht hervor, dass damit bestimmte Ferien- und Wochenendhäuser sowie Ferienwohnungen gemeint sind. Aus der Begründung zur EnEV 2007 geht ebenfalls hervor, dass durch die Ausnahmeregelung nicht generell alle Ferienhäuser betroffen sind - bei einer jährlichen Nutzungsdauer von 4 Monaten oder länger müssen die Anforderungen der EnEV eingehalten werden, incl. der Pflicht zur Ausstellung eines Energieausweises.

Sind Modernisierungsempfehlungen nach Sanierungen Pflicht?

Ein Gebäude wurde gerade saniert, ein anderes ist erst wenige Jahre alt. Müssen dann trotzdem Modernisierungsempfehlungen ausgesprochen werden?

Nach § 20 sind im Energieausweis Modernisierungsempfehlungen zu geben, wenn Maßnahmen für kostengünstige Verbesserungen der energetischen Eigenschaften des Gebäudes möglich sind. In der Begründung wird Wert auf die Kostengünstigkeit der Maßnahmen gelegt - es geht dem Gesetzgeber nicht darum, sämtliche technisch machbaren Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Ist das Gebäude vor kurzem vollständig saniert worden oder ist erst wenige Jahre alt und sind Modernisierungsempfehlungen nicht möglich, so hat dies der Aussteller dem Eigentümer anlässlich der Ausstellung des Energieausweises mitzuteilen. Dazu enthält die Seite mit den Modernisierungsempfehlungen die Möglichkeit zum Ankreuzen: ...sind möglich/ ...sind nicht möglich.

Detailabweichung vom Standardnutzungsprofil

Darf in Details von einem definierten Standardnutzungsprofil abgewichen werden (z.B. bei der Nutzungsdauer oder dem Luftwechsel)?

Nach Anlage 2 Nr. 2.2.2 der EnEV kann ein Nutzungsprofil individuell bestimmt werden. Dies gilt im Prinzip nur für Zonen, für die kein Nutzungsprofil in der DIN V 18599 Teil 10 beschrieben ist. Im Fall von Gebäuden, die z.B. abweichende Nutzungszeiten haben als im Standardnutzungsprofil vorgesehen, ist davon auszugehen, dass trotzdem das Standardnutzungsprofil unverändert übernommen werden soll. Siehe auch die Bemerkung in der Begründung der zur EnEV zu Anlage 2 Nr. 2.2.2: "Vorrang haben immer die Standardprofile nach Norm."

Hintergrund ist das vorrangige Ziel der EnEV, für viele Gebäude einer Nutzungsart einen energetischen Standard unter den vorgegebenen Randbedingungen zu definieren. Weniger geht es um die realistische Abbildung des konkreten Gebäudes.

Regelung für verschiedene Nichtwohn-Nutzungen

Ist auch dann nur ein Energieausweis auszustellen, wenn Gewerbeeinheiten eines Gebäudes über verschiedene Etagen verteilt und von wesentlich unterschiedlicher Nutzung sind?

Für den Fall verschiedener Nichtwohn-Nutzungen sieht die EnEV vor, das Gebäude in Zonen einzuteilen. Es wird dann ein Ausweis für alle Zonen zusammen erstellt. Siehe dazu EnEV Anlage 2 Nr. 2.2.1 und in den Bekanntmachungen der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Nichtwohngebäudebestand unter Nr. 2.2. Bei der Zonierung von bestehenden Gebäuden genügt eine Toleranz bei der Zonenflächenermittlung von  ±10%. Auf Seite 2 des Musters Energieausweis für Nichtwohngebäude ist ein Feld für die Liste der verschiedenen Zonen vorgesehen.

Berücksichtigung von Kachel- und Kaminöfen im Energieausweis

Bei Kachelöfen und Kaminöfen, die während der Heizperiode einen Anteil an der Beheizung übernehmen, stellt sich die Frage, ob diese bei der Erstellung von Energieausweisen zu berücksichtigen sind. Dabei spielen folgende Kriterien eine Rolle:

  • Deckungsanteile von Kachel- oder Kaminofen und anderem Erzeuger,
  • Abgabe der Wärme ausschließlich an den Aufstellraum oder zusätzliche Wärmeabgabe an den Heizkreis,
  • Beschickung des Kachel- oder Kaminofens per Hand (handbeschickt) oder automatisch.

In der Praxis treten die verschiedensten Konstellationen beim Einsatz von Kachel- und Kaminöfen in Wohngebäuden auf. Die folgenden Beispiele geben eine Hilfestellung für die Bewertung und mögliche Handhabung bei der Bilanzierung:

  • Der Grundlasterzeuger kann das gesamte Gebäude ganzjährig beiheizen: Wenn mit dem Grundlasterzeuger (z.B. einer Gaszentralheizung) das gesamte Gebäude ganzjährig beheizt werden kann, ist die Benutzung des Kachel- oder Kaminofens dem Nutzer überlassen und der Ofen wird nicht zur Berechnung des Primärenergiebedarfs im Sinne der EnEV mit einbezogen.

  • Ein Kachelofen oder Kaminofen ist alleiniger Wärmeerzeuger: Wenn Kachel- oder Kaminöfen Grundlasterzeuger sind, werden sie wie alle anderen Erzeuger energetisch bewertet. Für die Berechnung sind in den Normen Effizienzkennzahlen hinterlegt.

  • Der Grundlasterzeuger ist nicht für die ganzjährige Beheizung des gesamten Gebäudes ausgelegt und der Kachel- oder Kaminofen wird zur Beheizung benötigt: Wird der Kachel- oder Kaminofen zur Beheizung benötigt, weil der Grundlasterzeuger nur für die Überganszeit ausgelegt ist, so kann der Ofen mit in die Berechnung einfließen, wenn er ausschließlich den Aufstellraum beheizt. Solche dezentralen Kachelöfen, Raumheizer und Kamine als Spitzenlasterzeuger sind in den Normen mit Effizienzkennzahlen hinterlegt. Bei dieser Beheizungsart sind alle Kombinationen von Deckungsanteilen berechenbar.

  • Der handbeschickte Kachel- oder Kaminofen speist seine Wärme teilweise in den Heizkreis ein und ist somit an das Heizsystem des Gebäudes angeschlossen: Wird die Wärme eines zentralen handbeschickten Kachel- oder Kaminofens teilweise in den Heizkreis eingespeist, z.B. mittels einer Wassertasche, so liegen durch die Normen keine Berechnungsverfahren vor, sofern dieser Erzeuger nur Spitzenlasterzeuger ist. Diese "zentralen handbeschickten Biomassewärmeerzeuger" können in den Normen nur als Grundlasterzeguer berechnet werden, d.h. sie müssen deutlich mehr als 50% des Wärmebedarfs decken. Decken sie einen geringeren Wärmebedarf, können sie anhand der derzeit geltenden Normen bei der Berechnung nicht berücksichtigt werden. Die EnEV sieht in solchen Fällen jedoch die Möglichkeit vor, bei der Berechnung Komponenten anzusetzen, die ähnliche energetische Eigenschaften aufweisen (siehe Anlage 1, Nr. 2.1.3 EnEV). Demnach könnte zur Berechnung in diesem Fall ein automatisch beschickter Biomassekessel (z.B. Holzkessel) angesetzt werden.

  • Der automatisch beschickte Biomassekessel wird mit einem fossilen Heizkessel kombiniert, beide Kessel speisen Wärme in denselben Heizkreis ein: In diesem Fall ist der automatisch beschickte Biomassekessel berechenbar. Er kann bei der Berechnung sowohl als Grundlast- als auch als Spitzenlasterzeuger eingesetzt werden.

Nutzungsbedingter Leerstand

In den Ferien fallen in Schulen fast keine Energieverbräuche an - wird dieser Leerstand bei der Erstellung von Energieausweisen berücksichtigt?

Schulgebäude werden in der Ferienzeit gemäß ihrer Nutzung nicht benutzt und entsprechend nicht oder (im Winter) nur geringfügig beheizt. Dieser "Leerstand" wird über das Nutzungsprofil abgebildet, der Planer braucht keine weiteren Annahmen zu treffen. Das Gleiche gilt im Übrigen für die Vergleichswerte bei Verbrauchsausweisen, auch hier ist dieser nutzungsbedingte Leerstand bei den Vergleichsbauten berücksichtigt.

Energetische Qualität der Gebäudehülle

Im Energieausweis für Nichtwohngebäude nach findet sich kein Wert für HT'. Wie wird die energetische Qualität der Gebäudehülle beschrieben?

Seit der EnEV 2009 wird der Transmissionswärmetransferkoeffizient HT' durch mittlere U-Werte (Ū) ersetzt. Dazu werden diese in vier Gruppen eingeteilt (Anlage 2, Nr. 1.3 und 2.1.4):

  1. alle opaken, das heißt lichtundurchlässige Bauteile gemeinsam;
  2. Vorhangfassaden;
  3. Glasdächer, Lichtbänder und Lichtkuppeln und
  4. alle anderen transparenten Bauteile, die nicht in vorherigen Kategorien enthalten sind.

Die bisherige Differenzierung nach dem Fensterflächenanteil entfällt damit.

Es darf für die opaken Bauteile, die an Außenluft grenzen, ein flächengewichteter Wärmedurchgangskoeffizient für das ganze Gebäude gebildet und bei der zonenweisen Berechnung nach DIN V 18599-02 verwendet werden. Dies stellt eine Vereinfachung dar, da bisher der Transmissionswärmetransferkoeffizient für jede Zone gebildet werden musste und erst dann eine Flächenwichtung stattfand. Für die anderen Bauteile, vor allem Fenster etc., erfolgt der Nachweis nach wie vor zonenweise.

Nettogrundfläche bei Nichtwohngebäuden

Wie wird die Nettogrundfläche (NGF) von Nichtwohngebäuden ermittelt?

Sowohl beim Energiebedarfsausweis bzw. Energieverbrauchsausweis für ein bestehendes Nichtwohngebäude als auch bei der Nachweiserstellung für ein zu errichtendes Nichtwohngebäude (Energiebedarfsausweis) ist laut EnEV § 2 Nr. 15 die beheizte oder gekühlte Nettogrundfläche (NGF) die Bezugsgröße für den Primärenergiebedarf.

Die in der EnEV zitierten anerkannten Regeln der Technik bei Ermittlung der Bezugsfläche beziehen sich vor allem auf die DIN 277 "Grundflächen und Rauminhalte von Bauwerken im Hochbau".

Demnach setzt sich die Nettogrundfläche (NGF) zusammen aus:

  • Nutzfläche (NF),
  • Technischer Funktionsfläche (TF, z.B. Heizungsräume) und
  • Verkehrsfläche (VF, z.B. Flure und Treppen).

Zur Nettogrundfläche zählen also die Grundflächen von:

  • freiliegenden Installationen,
  • fest eingebauten Gegenständen (z. B. Öfen, Heiz- und Klimageräte, Bade- oder Duschwannen),
  • nicht raumhohen Vormauerungen und Bekleidungen,
  • Einbaumöbeln, versetzbaren Raumteilern,
  • Installationskanälen und -schächten und
  • Aufzugsschächten.

Zur Nettogrundfläche gehört nicht die Konstruktionsfläche (KGF - Grundfläche der aufgehenden Bauteile aller Grundrissebenen). Flächen von beispielsweise Wänden, Stützen oder Fensteröffnungen werden demnach nicht berücksichtigt.

Zur beheizten oder gekühlten Nettogrundfläche gehören nach § 2 Nr. 4. und Nr. 5. auch Flächen oder Zonen, die über Raumverbund beheizt oder gekühlt werden, wie z.B. Treppenhäuser zwischen ansonsten beheizten Büroräumen. Nicht thermisch konditioniert wäre z.B. eine große Lagerhalle, die auf weniger als 12 Grad Celsius beheizt wird oder nicht thermisch konditionierte, wenn auch belüftete Abstellflächen und Tiefgaragen. Diese Abgrenzung stammt aus einer Auslegungen zur EnEV durch das Deutsche Institut für Bautechnik DIBt (9. Staffel).

Verfahren bei Gebäuden ohne definiertes Nutzungsprofil

Wie ist zu verfahren, wenn Gebäude mit Nutzungen zu berechnen sind, für die in der DIN V 18599 Teil 10 kein Nutzungsprofil definiert ist (z.B. Wäschereien, Sporthallen mit Zuschauerbereich, Sport- und Freizeitbäder, leerstehende Gewerbeeinheiten)?

Nach EnEV Anlage 2 Nr. 2.2.2 kann für Nutzungen, die nicht in DIN V 18599-10 aufgeführt sind, die Nutzung Nr. 17 der Tabelle 4 DIN 18599-10 (Sonstige Aufenthaltsräume) verwendet werden.

Bei bekannten, aber nicht aufgeführten Nutzungen, kann nach o.g. Absatz ein individuelles Nutzungsprofil erstellt werden. Dieses Profil wird sowohl beim Referenzgebäude als auch beim realen Gebäude angewendet. Die gewählten Angaben sind zu begründen und dem Nachweis beizufügen.

Mit dem Erscheinen des neuen Teils 100 der DIN V 18599 wird der Katalog der Nutzungsprofile aus Tabelle 4 der DIN V 18599-10 um einige Nutzungen erweitert, z.B. Labore, Sauna, Arztpraxen, und Lagerhallen. Der neue Normteil enthält ebenfalls einen Hinweis, wie ein neues Nutzungsprofil zu erstellen ist.

Primärenergiebedarf für das Kühlsystem im Referenzgebäude

Bei bestimmten Nutzungen, etwa Büros, darf der Primärenergiebedarf für das Kühlsystem im Referenzgebäude nur zu 50 % angerechnet werden. Bedeutet dies, dass eine geplante Kühlung im Referenzgebäude nur zur Hälfte berücksichtigt wird?

Seit Inkrafttreten der EnEV 2009 darf der Primärenergiebedarf für das Kühlsystem und die Kühlfunktion der raumlufttechnischen Anlage in bestimmten Gebäudezonen zu 50 % angerechnet werden, siehe Anlage 2 Tabelle 1 Zeile 7 der neuen EnEV. Die EnEV 2007 verlangte hier sogar, den Kühlbedarf in diesen Nutzungen ganz auf Null zu setzen.

Hintergrund ist laut der Begründung zur EnEV 2009 die Tatsache, dass bei den betroffenen Gebäuden schon nach bisherigem Anforderungsniveau die alte Vorgabe an die Grenze der Wirtschaftlichkeit führt, sobald in das ausgeführte Gebäude eine Klimaanlage eingebaut wird. Ein Beibehalten der Regelung hätte dazu geführt, dass bei diesen Nutzungen für die Verschärfung der Anforderungen kein Spielraum mehr bestanden hätte, zumal heute vielfach Klimaanlagen eingebaut werden, um auch in heißen Sommern behagliche Raumtemperaturen garantieren zu können.

Die Berechnung des zu errichtenden Gebäudes wird selbstverständlich mit der geplanten Klimaanlage gerechnet. Unter Nummer 2.1.2 der Anlage 2 der EnEV wird gefordert, den Primärenergiebedarf für Kühlung zu bilanzieren, wenn die Kühlfunktion mehr als zwei Monate im Jahr und mehr als zwei Stunden am Tag vorgesehen ist. Natürlich ist es nicht verboten, auch bei den in Anlage 2 genannten Nutzungen eine Klimaanlage einzubauen. Der damit einhergehende erhöhte Energiebedarf muss dann jedoch durch andere Maßnahmen kompensiert werden.